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Befreiung als/statt Freiheit. Zur Heideggers Rekonstruktion der modernen Freiheitsauffassung

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In der Neuzeit wird der europäische Mensch von der kosmischen Ordnung zu „emanzipieren“ angefangen. Es war ursprünglich kein absichtlicher Entwurf der Selbstbefreiung, sondern war der Mensch – vermittels des allumfassenden Weltgeschehens, das
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   zum Lesen Tschasslaw D. KopriwitzaBefreiung als/statt Freiheit. Zur Heideggers Rekonstruktion der modernenFreiheitsauffassung zum !esen" Freiheit ist als ein der zentralen Probleme der modernen Zeit, und zwar parallel zum Avancierender menschlichen Freiheit zu einer der Hauptkräfte der modernen Welt zu denken. Heideer erkennt nicht nur die kaum !berschätzbare "edeutun der #eränderunen in der $tellun und%olle der menschlichen Freiheit, die er daher in die &rundschicht der wichtisten philosophischen Fraen elet hat, sondern auch ' was ist ewisserma(en eine )euikeit ' alsdas $chl!sselmerkmal des modernen "eriffes der Freiheit markiert er die *ätikeit der "efreiun. +m folenden versuchen wir die heideerschen wiederholten enkefahrun mit der Freiheit als eine -uelle f!r das #erstehen der modernen Wirklichkeit der Freiheit heranzuziehen.$eit der )euzeit beinnt die /manzipation0 des europäischen 1enschen von der kosmischen2rdnun. /s war urspr!nlich kein absichtlicher /ntwurf, sich zu befreien, sondern der 1enschwurde in einen neuen weltepochalen Zustand versetzt, in welchem er von den davorstehenden"indunen losel3st wurde. a er sich damals $chritt f!r $chritt von der 2rdnun und von der damit verbundenen *radition entfremdete, um  frei von  ihnen zu werden, sah er sich dazuezwunen, sich seinen eienen Platz in der Welt von )euem, dabei sich nur auf sich selbstverlassend, zu bestimmen. $o etwas, wie Anspruch auf ein fundamentum absolutuminconcussum veritatis entsprint aus 4ener "efreiun des 1enschen, in der er sich aus der #erbindlichkeit der christlichen 2ffenbarunswahrheit 5...6 f!r sich selbst befreit.0 7   ie neative$eite dieses #orans ' die "efreiun von der 8hristenheit ' fand ihr 9orrelat im positivenAnspruch auf ein )otwendies, 5...6 da( der 1ensch von sich aus dieses )otwendie und#erbindliche 4eweils setzt.0 :  aran anschlie(end fin man relativ bald an, vieles von dem, wasan die Pflichtrealitäten der alten Welt erinnert;, als ein <rernis, ' in ewissen radikalaufklärerisch besonnen 9reisen ' soar als  Bedrohung wahrzunehmen. as war aber keinunmotivierter /ntschluss des irendwelchen titanischen, den allen Weltmächten zum *rotz 1  &A "d. =, 7>?. 2  &A "d. =>, 7@. 1   zum Lesen aierenden und rebellierenden 1enschentums, sondern war situationsbedint erzwunen.esween, sat HeideerB 5$6tellt sich dieses $ichCbefreien in den Zwang, sich selbst zuschaffen (Welt-bild D  Menschen-bild) und  zu sichern .0  $päter bildet sich allmählich die epochale &rundprämisse heraus, dass die neue Zuflucht desmenschlichen $eins nur mit seinem autonomen enken und Handeln herzustellen sei. en"estand eiener /Eistenz autonom aufzubauen, hei(t, sich von dem4enien zu distanzieren, dasnicht pers3nlich herestellt oder mindestens unter eiener Zustimmun in 9raft esetzt wurdealso sich von dem4enien abzusetzen, was nicht einer erneuten, anthropozentrischen Produktionder Welt aneh3rt. ie beabsichtiten Hauptfolen dessen wärenB 7. $ichCFreisetzen vom/hemalien, und :. die eben damit erzielte $elbstkonstitution. $omit eht das eschichtliche/reinis des menschlichen Freimachens von den alten sozioCkosmischen #erpflichtunen, dieden Gberan vom 1ittealter in die )euzeit charakterisiert, dem modernen, absichtsvollen/ntwurf der sozialen "efreiun zu seiner neuen Freiheit0 voraus, mit dem der 1ensch nach13lichkeit danach trachtet, der Autor des esamten 9onteEtes seines ebens zu werden. )ur wenn der 1ensch, dank den eschichtlichen Imständen, in einen  Zustand der  geschichtlich-zufälligen Freiheit geworfen  wurde, kann und muss dann auch f!r ihn die  Frage nach der Freiheit ein zentrales *hema werden. iese ae wird somit die -uelle der +deen undPraktiken der $elbstbefreiun. $eitdem f!hlt er )otwendikeit, sich von eiener Imebun ' woer keine Interkunft f!r sich selbst sieht ' zu befreien, womit die negative Freiheit   im#orderrund r!ckt. /ine solche Freiheit bricht mit den #erbindunen, die den 1enschenvermeintlich behindern und bedr!cken, wobei anstelle ihrer Ausklammerun keinerlei vertraute,Heim anbietende $truktur käme. aher sollte dar!ber hinaus die neative Freiheit ' die hier alsdie Freiheit von der alten 2rdnun operationalisiert wird ' in eine positive0 umestaltet werden,welche f. nur als /rebnis des menschlichen Weltpro4ekts zustande kommen k3nnte.1it der #erwandlun des sozioCkosmischen Zusammenhans, und anschlie(end mit der /rhebun des Anspruchs vom neuzeitlichen 1enschen, eienes $eins neu zu sch3pfen, hat er auch das Wesen0 der Freiheit selbst verändert, die sich im )achhinein als eschichtlichempfindliche herausstellt. /s eht dabei nicht nur um ihre ewisse %einterpretation, sondern umeine tatsächliche #eränderun der Freiheit durch die tief reifende Imestaltun des#erhältnisses des menschlichen $eins und der Welt. ie Freiabe von dem alten 9osmos ' und 3  &A "d. J>, 7=:. 2   zum Lesen vermeintlich  für   das wahre0 Wesen des 1enschen ' f!hrte dazu, dass die "efreiun realiter diema(ebliche "estimmun der Freiheit wurde. ie moderne Freiheit wird als "efreiun vonirendwelchen heteronomen0 Zwansverpflichtunen einef!hrt, mit der +dee, neue#erpflichtunen auszupräen, die ein Ausdruck der aktiven <u(erun des menschlichen $elbstwären. )icht nur, dass mit dieser <u(erun sich das neuzeitliche $elbst unausweichlich bindet,sondern es will sich damit auch behaupten und schlie(lich erst herstellen. arin zeit sich die%efleEivität der Freiheit, aber auch dass die wahre Freiheit0 ' im &eensatz zu von Heideer erwähnten falschen Freiheit0 ' keine zufällie &eebenheit der irendwelchen, schon bekannten eschichtlichen Praktiken bleiben darf sie muss vielmehr durch eine ausdr!cklich!bernehmende "ezunahme erneut ausearbeitet werden. er neuzeitliche 1ensch ist nicht nur KfreiK0 ' hier meint Heideer auenscheinlich die nat!rliche Freiheit0 ' sondern 5soZitatfortsetzun6 sein  Freisein  besteht darin, auf Freiheit  ns!ruch zu machen und diesenAnspruch als den Ausspruch seines eiensten Wesens zu wissen.0 er Freiheitsanspruch0,konkludiert er diese ontoloischCeschichtliche "estimmun, ist Wesen des neuzeitlichen1enschentums.0 @ /s kommt aber hier nicht nur auf die )otwendikeit an, die Freiheit zu authentisieren  ' also sievon einer zufällien in %ichtun einer ausdr!cklich ausestalteten r!cken zu lassen ' sondern eswird dar!ber hinaus die )otwendikeit betont, den $tellenwert der Freiheit innerhalb desmenschlichen $eins neu zu bestimmen. +n der *at, frei zu sein, ist f!r den 1enschen nicht eineder /ienschaften unter anderen Freiheit ist nämlich, aufrund des eschichtlichenImwandlunsprozesses, während der 1odernität in das Wesen des menschlichen $eins selbsteinedrunen0. /s ist zu beachten, dass unter allen anderen /ienschaften0 des 1enschen, dierelative "edeutun der Freiheit erst dann zunimmt, wenn er, ideell esprochen, aus dem bisherien, 4ahrhundertelan alten Zustand der 9onruenz mit der Wirklichkeit und der kosmischen 2rdnun herausfällt. $eitdem kommt die Aufabe der %ekonstruktion der realenWeltordnun nur dem 1enschen selbst zuteil.ie Freiheit wird zum eschichtlichen $chl!sselberiff des modernen 1enschentums ' und nichtetwa die Wahrheit ' weil ihm von der #erwirklichun des &edankens seines Freiseins das anzePro4ekt der )euverfassun der Welt abhänt. Warum sollte man sich !berhaupt darauf einlassenLWeil die Wirklichkeit !berhaupt die letzte denkbare &renze aller menschlichen $ituationen ist, 4  &A "d. J>, 7=. 3   zum Lesen aus denen 1ensch heraus, als endliches und !ber keine letzte Wahrheit und ebensewissheitverf!endes Wesen, sein eben 4e zu leben hat. 1it der "ekanntmachun des neativen *elosder &eschichte der 1etaphMsik durch den )ihilismus ' so die heideersche%ahmeninterpretation ' ist ipso facto die anze %eihe der bisherien, auf die 1a(eblichkeitreflektierenden eutunen der Welt, des 1enschen und des $eins als ein +rrwe entlarvt. a istleichzeiti das anze eschichtliche, dem 1enschen in 4e verschiedenen /pochen die Zuflucht bietende %epertoire zwecklos eworden. Zur Zeit des eschichtlichen Aufkommens des )ihilismus wurde es rundsätzlich unklar, was eientlich die Wirklichkeit ist, was ihr Prinzipund wer der 1ensch ist und das ist warum der letztere, der 1ensch, aus eienen 9räften auf die$elbstber!ndun verwiesen ist. Ind da der 1ensch immer aus einer Weltsituation lebt, ist er mit der )otwendikeit konfrontiert ' durch $elbstber!ndun leichzeiti auch die Welt selbst  für sich  ber!nden zu m!ssen. 1it der <nderun der metaphMsischen $ituation durch dieeschichtliche 2ffenbarun0 des /reinisses der Wahrheit des )ihilismus ' im Werk Friedrich )ietzsches, wo Heideer eine der entscheidenden +ndikationen der epochalen ae ausfindimacht ' nimmt der 1ensch sich selbst als in die astfeindliche Welteend eworfen wahr.$eitdem ' so kann diese $ituation betrachtet werden ' ist dem 1enschen sein eben zur #erf!un estellt, der &rundlosikeit seines Welteinans, die schlie(lich auf die blo(eFaktizität seiner /Eistenz hinausläuft ' und die als solche zunächst keine %echtfertiun, keine"erufun besitzt ' die "er!ndun, mit seinem freien /ntwurf, zu verschaffen.Zusammenfassend, in der 1oderne, und das sieht Heideer wie kein anderer ein, verlieren dietraditionelle "estimmunen des menschlichen Wesens ' etwa dass er oos hat, oder dass er /benbild &ottes ist, usw. ' ihre Gberzeuunskraft und ob4ektive eschichtliche *rafähikeit.Fortan wird f!r ihn wichti, ein autonomes, selbstbestimmendes,  freies  $ub4ekt zu sein. /chteFreiheit, die die /ntelechie der $elbstbefreiun ist ' wird daher der 9ernpunkt des menschlichenPro4ekts der $elbstber!ndun. $omit, laut dem neuen, modernen $elbstverständnis, wird dieFreiheit szs. das epochale Wesen0 des modernen 1enschen.+m &eensatz dazu war f!r den vormodernen europäischen 1enschen die /rfahrun der Freiheit,mehr oder minder, eine beiläufie, um erst danach eine schicksalhafte werden zu k3nnen unddies nicht etwa darum, weil auf einmal die vormalie soziale Infreiheit unerträlich eworden 4   zum Lesen sei, oder weil erst da beriffen wurde, dass sie schon länere Zeit unerträlich wäre, sondernweil der 1ensch und die Zukunft seiner /Eistenz vom /rfol im $uchen der wahren0, also ut ber!ndeten Freiheit, abzuhänen beann. $oweit szs. die v"llige "efreiun ausbleibt ' und dasist hier vorwieend als metaphMsische, und nicht nur als soziale Forderun und /ntwurf zufassen ' träte auch nicht der eigentliche Freiheitszustand   ein, und damit kein wahrer 1ensch undkeine w!nschenswerte Welt. a aber die /rf!llun dieses Zieles äu(erst unewiss ist, beinnt ' obwohl unewollt ' als effe#tive usführung   der modernen Freiheit, ständi verschiebendeNv3llieO "efreiun zu funieren. Freiheit wird, wie esat, wesentliche "estimmun des $einsdes modernen 1enschen, und soweit sie nicht realisiert, aber auch nicht realisierbar ist, bleibtmodernes asein immer und hoffnunslos nur unterwes zu seinem echten $ein, und dasanthropozentrische Pro4ekt ' erreicht nicht sein Ziel. ementsprechend verk3rpert, lauben wir,"efreiun in heideerschen 9onzeption nicht nur den We und Weise die echte, vollkommeneFreiheit zu erlanen, sondern ' ween der Inm3lichkeit des letzteren ' fiuriert sie auch alsewisse  $rsatzfreiheit  , oder als bestm3liche Halbfreiheit0.Wir haben esehen, dass f!r Heideer Freiheit ' korrelativ mit ihrem &leichkommen zu"efreiun ' letztendlich den Freiheitsanspruch hei(t. ie /rsetzun0 der zufällien, momentanzu treffenden Freiheitsestalt durch den Anspruch auf die eientliche Freiheit, kannselbstverständlich nicht beim blo(en Anspruch stehen bleiben. ie Antwort auf diese Forderunmuss in der /ient!mlichkeit des "eziehunstMps lieen, die beim #ersuch diese Forderun zuerf!llen, entstanden ist. Heideer sieht dies wie foltBie metaphMsische Aufabe escartesK wurde dieseB der "efreiun des 1enschen zu der Freiheit 5...6 den metaphMsischen &rund zu schaffen. ieser &rund mu(te aber nicht nur selbst ein ewisser sein, sondern er mu(te, weil 4ede 1a(abe aus anderen "ezirkenverwehrt war, zuleich solcher Art sein, da( durch ihn das Wesen der beanspruchtenFreiheit als $elbstewi(heit esetzt wurde. = araus ist zunächst klar, dass die Arbeit an der "efreiun, von der %edefinierun desFreiheitsberiffes untrennbar ist. Au(erdem erkennt Heideer die /ient!mlichkeit der menschlichen selbstbefreienden Haltun ' in der $elbstewissheit. "is 4etzt haben wir festestellt, dass der 1ensch eientlich frei werden kann, nur wenn er Anstrenunen 5    %olzwege , 7>?. 5
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