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Karl Haushofer und Japan. Der Einfluss der Kontinentalblocktheorie auf die Japanpolitik des Dritten Reiches

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One of my earliest papers on Haushofer, based on a conference paper, delivered in Trier 1999. The article deals with Haushofer's influence in Germany. In some parts outdated.
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  1/14 11. Deutschsprachiger Japanologentag 15. - 18. September 1999in Trier  Beitrag von:Christian W. Spang, M.A.    Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.Tôkyô University (1998-2000); International Christian University/ Tôkyô (2000~): „Karl Haushofer und Japan.Der Einfluss der Kontinentalblocktheorieauf die Japanpolitik des ,Dritten Reiches'."  erschienen in: Hilaria Gössmann u. Andreas Mrugalla (Hrsg.), 11. Deutschsprachiger Japanologentag inTrier 1999, 2 Bde., Bd. 1: Geschichte, Geistesgeschichte/ Religionen, Gesellschaft,Politik, Recht, Wirtschaft, Münster-Hamburg-London: LIT-Verlag, 2001, S. 121 - 134.  2/14 Inhaltsangabe: 1.) Einleitung 12.) Zwei Karrieren - eine Biographie 13.) Die Kontinentalblocktheorie 44.) Haushofers Einfluß auf die Japanpolitik der Nationalsozialisten 65.) Resümee 106.) Auswahlbibliographie 11   Kurzbiographie: Christian W. Spang, M.A. Studium der Modernen und Mittelalterlichen Geschichte sowieAnglistik in Erlangen, Dublin (Trinity College/ ERASMUS-Stipendium) und Freiburg i.Br.Seit 1997 Doktorand am dortigen Historischen Seminar mit einer Arbeit zur Rezeption vonKarl Haushofers Kontinentalblockkonzeption in Deutschland und Japan. 1998-2000:Forschungsstudent an der  Tôkyô Daigaku (DAAD/  Monbushô- Stipendium). Seit Oktober 2000 Forschungsassistent am „Institute of Asian Cultural Studies“ der International ChristianUniversity (ICU) in Mitaka/ Tôkyô.  Forschungsschwerpunkte: Geschichte der deutsch- japanischen Beziehungen in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts; biographische Aspektedieser Kontakte.  3/14 1.) Einleitung Karl Haushofer ist als Begründer der deutschen Geopolitik sowie für seine Freundschaft mitRudolf Heß und seinen viel diskutierten Einfluß auf Hitlers Raumvorstellungen bekannt.Hierzu existiert eine ganze Reihe von Studien, unter denen die Arbeit von Jacobsen (1979) alsStandardwerk anzusehen ist. 1 Es dauerte sehr lange, bis Schöller (1982, S. 162) mit Blick auf Haushofer darauf verwies, daß Japan „ Urerlebnis und Modell deutscher Geopolitik"  gewesensei. Diese Anregung griff Gottschlich 1998 auf, wobei er sich auf veröffentlichtes Material beschränkte und die Rezeption der deutschen Geopolitik in Japan ausblendete. Die deutscheJapanologie, die Haushofer schon zu seinen Lebzeiten ihre Anerkennung verweigert hatte, hatsich auch später nie mit dessen Vermächtnis auseinandergesetzt.Schon vor und während des Zweiten Weltkriegs war es dagegen in Frankreich und Groß- britannien, vor allem aber in den USA und Japan zu einer intensiven Auseinandersetzung mitHaushofers Theorien gekommen, wobei in den beiden letztgenannten Ländern dessen japanologische Schriften und außenpolitische Konzepte stark beachtet wurden. Diefranzösische Kritik befaßte sich schon in den 1930er Jahren mit der deutschen Geopolitik.Daß dies auch in Deutschland registriert wurde, belegen die in der Zeitschrift für Geopolitik (ZfG) abgedruckten Stellungnahmen von Demangeon (1932) und Ancel (1939). Die ersten britischen Abhandlungen zu Haushofer stammen aus der Zeit des Hitler-Stalin-Paktes. BeiThomson (1939) tauchte erstmals die bis mindestens 1945 vorherrschende Vorstellung auf,Haushofer sei die graue Eminenz der NS-Außenpolitik. Zur japanischen Rezeptionsgeschichtesowie zur angelsächsischen Kritik, die z.T. von deutschen Exilanten wie Dorpalen (1942) bestritten wurde, ist u.a. auf die Arbeiten Takeuchis (1980, 1994, 2000), Fukushimas (1997)sowie auf einen weiteren Artikel des Verfassers (Spang, 2000) zu verweisen. 2.) Zwei Karrieren - eine Biographie Daß Karl Ernst Nickolaus Hermann Haushofer einer königstreuen großbürgerlichenMünchner Professorenfamilie entstammte, prägte sein Denken für den Rest seines Lebens.Beide Großväter wie auch sein Vater Max und sein Onkel Karl (von) Haushofer waren jeweils Universitätsprofessoren gewesen. Karl Haushofer selber war 1887 als Offiziers-anwärter in die königlich-bayerische Armee eingetreten, aus der er schließlich, nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg, 1919 im Rang eines Generalmajors ausschied. Von Februar 1909 bis Juni 1910 war er im Auftrag des bayerischen Generalstabs als erster  1 Die aktuellsten Darstellungen zur Haushofer-Forschung bieten Gottschlich, 1998, S. 19-22, und Spang, 2000,S. 591-594.  4/14Militärbeobachter des Landes in Japan gewesen. 2 1913 hatte Haushofer sein erstes Buch,  Dai Nihon , veröffentlicht und an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) inGeographie, Geologie und Geschichte promoviert. 1919 reichte Haushofer erfolgreich seine1921 in Wien veröffentlichte Habilitationsschrift ein, in der er sich - wie in seiner Dissertation- mit geographischen Fragen Japans befaßte. Da er sowohl vor als auch nach seinemJapankommando an der Münchner Kriegsakademie gelehrt hatte, war sein Übertritt zur Wissenschaft - zumal vor dem Hintergrund der Familientradition - kein so gravierender Schritt, wie es zunächst den Anschein hat. Unmittelbar im Anschluß an seine Habilitationlehnte Haushofer einen Ruf der Universität Tübingen ebenso wie 1933 eine Berufung nachLeipzig ab. 3 Statt dessen blieb er bis zu seiner Emeritierung 1939 seiner „Alma mater" treu.Etwa 1/4 seiner ca. 80 Lehrveranstaltungen an der LMU lassen sich dem - so Haushofershäufig gebrachter Ausdruck - „ indopazifischen Raum"  zuordnen. Übungen wie „  Deutschland und Japan: Studien über vergleichende Länderkunde " (1922/23) oder Vorlesungen wie„ Geopolitik des fernen Ostens " (1938) spiegeln dies wider. Gerade in seinen ersten Jahren ander LMU griff er stark auf seine persönlichen Erlebnisse und seine Lehrerfahrung an der Kriegsakademie zurück. Dort hatte er 1910 - 12 ebenfalls ostasiatische Themen behandelt. 4  Ab Mitte der 1920er Jahre bot Haushofer regelmäßig sog.   „ Grenzlandübungen " an, die er ab1933/34 " Übungen für Grenz- und Auslandsdeutschtum und Wehrkunde " nannte. Angesichtsderartiger Titel bedarf es nicht viel, sich diese Veranstaltungen als Foren revisionistischer Gedanken vorzustellen. 5 Der Titel der zweisemestrigen Vorlesung „ Geopolitische und wehrgeographische Grundlagen des nationalsozialistischen Staates ", die Haushofer 1935/36abhielt, bestätigt dessen Verständnis der Geopolitik als Grundlage des „Dritten Reiches".Immer wieder brachte er dies mit dem Satz "let us educate our masters"  6 zum Ausdruck. Neben denjenigen Veranstaltungen, die explizit Ostasien zum Thema hatten, kam Haushofer auch ansonsten immer wieder auf Japan zu sprechen. Eine solche Annahme wird durchHubert Hagers Darstellung aus den Münchner Neuesten Nachrichten vom 27.8.1939 gestützt: 2 Haushofers Rolle als Militärbeobachter wird bei Spang, 2000, S. 604-608, eingehender behandelt. 3 Hager, 1939, S. 17, bzw. Haushofer Privatarchiv (Hartschimmelhof), „Lebensbuch", S. 53 4 Darauf verweist Haushofer in seinem „Lebenslauf. Beilage I zur Bewerbung um die Habilitation"  , Archiv der Ludwigs-Maximilians-Universität München, E II L. 5 Immer wieder wandte sich Haushofer gegen das „Versailler Friedensdiktat". So hielt er z.B. im Juni 1924eine Rede im Münchner Zirkus Krone unter dem Titel „  Lebensraum und Kriegsschuldlüge". Siehe hierzuHaushofers Korrespondenz mit dem Kampfbund gegen die Kriegsschuldlüge. BA Koblenz, NL 1122, Bd.6. 6 Albrecht Haushofer befand folgendes über die diesbezügliche Grundhaltung seines Vaters:   „  Der Grund-akkord des Vaters gegenüber den Nazis war der englische Leitspruch: let us educate our masters. Sie sitzennun einmal im Sattel, wir können sie nicht herunterwerfen". Siehe hierzu: Hildebrandt, 1949, S. 37.  5/14„Wenn wir der Darstellung Haushofers folgen, die in allem und jedem immer wieder fern-östliche Parallelen heranzieht, so müssen wir uns überzeugen, daß tatsächlich der Aufenthaltin Japan für Haushofer das einmalige große Erlebnis war, demgegenüber all sein sonstiges(...) Wirken, das uns in seinen praktischen Ergebnissen (...) viel näher steht, zurücktritt." Nach dem Ende seiner Militärlaufbahn engagierte sich Haushofer bei der Gründung (1925)und Entwicklung der Deutschen Akademie, der er schließlich von 1934 - 37 als Präsidentvorstand. Vor allem aber war er seit 1923/24 mit dem Aufbau der ZfG beschäftigt. Als Mit-und ab 1932 Alleinherausgeber und wichtigster Autor bestimmte er deren Kurs und damitmaßgeblich denjenigen der deutschen Geopolitik. Zwischen 1938 und 1942 agierte Haushofer schließlich als Vorsitzender des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland (VDA). Daßdie Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG) 1933 einen ArtikelHaushofers im Jubiläumsband zu ihrem 60-jährigen Bestehen veröffentlichte, und dieser,immerhin OAG-Mitglied seit 1910, überdies ab 1935 in München einem der bisher weitgehend unbekannten sog. „Vertrauensausschüsse" der OAG vorstand, scheint anzudeuten,daß eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der OAG auch neue Erkenntnisse zuHaushofer bringen würde. Da dessen Ehrenmitgliedschaft in der Deutsch-JapanischenGesellschaft (DJG) aus dem Jahr 1930, also aus der Zeit vor der „Gleichschaltung" der DJG,stammte, kann man davon ausgehen, daß dies eine Würdigung seines japanologischen Werksdarstellte und nicht im Zusammenhang mit seinen NS-Kontakten steht.Haushofers Ansehen als Universitätsprofessor, seine vielen Veröffentlichungen, 7 seinRenommee als Weltkriegskommandeur und seine guten Kontakte zu rechts-konservativenKreisen sowie zu Teilen der Reichswehr, wie auch seine Duz-Freundschaft mit dem 25 Jahre jüngeren Heß, stellten die Basis seiner gesellschaftlichen Position in den 1920er und 1930er Jahren dar. Daneben war Haushofer durch seine schon erwähnten Ehrenämter sowie durchseine für die damalige Zeit ungewöhnlichen Radioansprachen exponiert, was auch ein Berichtim NS-Organ Völkischer Beobachter (VB) zu Haushofers 70. Geburtstag bestätigt. 8  Ab 1933 durfte Haushofer den Titel eines ordentlichen Professors führen, ohne jedoch einenLehrstuhl zu erhalten. An der LMU im allgemeinen und im geographischen Seminar im 7 Wegen der großen Zahl von Haushofers Veröffentlichungen, fehlt bisher eine komplette Auflistung seinesSchaffens. Einen Überblick liefert z.B. Hipler, 1996, S. 227-230. Spang, 2000, S. 592f, bietet einequantitative Analyse der Ostasien betreffenden Werke, die dort auf S. 627-629 in Auszügen aufgelistet sind. 8 Crämer, 1939, S. 7: „Weitesten Kreisen des deutschen Volkes ist Karl Haushofer bekannt als Vorsitzender des (...) VDA, mehr noch und länger schon durch seinen ‚Weltpolitischen Monatsbericht‘ den er gegen Ende jeden Monats über fast alle deutschen Sender spricht.“ Zu diesen Radioansprachen schreibt MarthaHaushofer 1926 in einem Nachtrag ihres Tagebuches (BA Koblenz, NL 1122, Bd. 127): „ Seit Weihnachten1925 haben wir einen Radioapparat (...) K[arl]'s regelmässige Weltpolitische Monats-Übersicht hielt sich im Programm mit kurzen Unterbrechungen bis z[um]. Ausbruch des Krieges Sept[ember]. 39."   
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