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Hexenwahn

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Geschichte des Hexenwahns im Christentum
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  17.11.1993Die dunkle Seite der Kirchengeschichte - Hexenwahn1. Von Verfolgten zu VerfolgernWie konnte die Ketzerbehandlung zu einem solchen Verbrechen ausarten ? Die Christenheit hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Antworten auf die Herausforderung der Häresie gehabt. Im Urchristentum war die Richtung klar: "segnet die, die euch fluchen/verfolgen"(Lukas 6,28/Röm 12,14), und Paulus schreibt sogar an Timotheus: "Leide willig"(2.Tim 4,5). Allein der Gedanke, Gewalt gegen Andersgläubige oder Glaubensfeinde aus zu üben, lag den Schreibern des Neuen Testaments von ihrer Gesinnung her völlig fern. Auch die realen Machtverhältnissen ließen den Gedanken, Andersdenkende irgendwie zu unterdrücken, gar nicht erst aufkommen.Tertullian verteidigte mit Leidenschaft die Auffassung, daß man keinen Menschen zu einer religiösen Funktion zwingen dürfe, weil das im Widerspruch zum Wesen des Glaubens sei. Nach Cyprian »ist es nur dem Herrn erlaubt, dem auch die eiserne Rute gegeben ist, die irdenen Gefäße zuzerbrechen«, und kein Christ dürfe sich »anmaßen, zur Säuberung und Reinigung der Tenne, selbst die Worfschaufel zu führen«(Walter Nigg: Das Buch der Ketzer S.253). Dies sind Äußerungen der Toleranz und nicht der Schwäche.Allerdings wurde auch in der Alter Kirchen die Polemik gegen Häresiologen zunehmend schärfer. Diese Saat ging auf in der Stunde der Versuchung, als nämlich Kaiser Konstantin mit dem Angebot an das das Christentum herantrat, Staatsreligion zu werden und sich die Machtverhältnisse umkehrten. So drückte Hieronymus seine Verwunderung aus, das ein Bischof gegen Vigilantius, der sich als Gegner der Reliquienverehrung geäußert hatte, nicht körperlich vorgegangen sei, um dieSeele des Ketzers zu retten!(Ebenda S.255)Im Jahre 385 wurde schließlich der Gnostiker Priszillian in Trier durchs Schwert von Christen hingerichtet. Damals ging dann aber doch ein Schrei der Entrüstung durch die Christenheit. Bischof Ambrosius in Mailand verabscheute donnernd die unselige Tat. Das Bluturteil wirkte auf die christliche Welt dermaßen abschreckend, daß der Fall in der Alten Kirche keine Nachahmung fand.Zu Beginn des Hochmittelalters nahm die Zahl der Ketzer in ungewöhnlichem Maße zu. Gab es doch Gegenden im Abendland, wo die Zahl der Häretiker bereits größer war als die Zahl der Gläubigen. Immer mehr Menschen wandten sich von einer Kirche ab, deren Interessen dem nacktemMachtkampf galten(Ebenda S.257). Mit Worten, denen die entsprechende Lebenshaltung fehlte, konnten die Ketzer nicht gewonnen werden. Die Kirche sah sich sogar genötigt, die Disputationen mit Ketzern zu verbieten, um keine Niederlagen zu riskieren(Ebenda S.2). Werner Nigg schreibt dazu:"Die Gewaltanwendung war das Mittel, Gegner, welche ihr gefährlich werden konnten und denen sie (die Kirche) sich geistig nicht gewachsen fühlte, aus dem Wege zu schaffen und sich endgültig von aller innerchristlicher Opposition zu befreien".Innerchristliche Gegenstimmen dazu gab es auch im Mittelalter; so sagte Franz von Assisi zum wirksamen Überführen der Gottlosen: "Der Diener Gottes muß durch sein heilig gemäßes Leben so zu einer Flamme werden, daß er durch das Licht des guten Beispiels und durch die Sprache, die seinLebenswandel spricht, alle Gottlosen ins Gewissen trifft." Aber, er und andere, z.B. der Bischof Wazo von Lüttich, fanden bei den Entscheidenden Kirchenführern kein Gehör.Ideologisch verbrämte die Kirche ihr Verhalten, indem sie die neuen Ketzereien im Unterschied zur altkirchlichen Häresie nicht auf menschliche Stifter zurückführte, sondern sie mit satanischen Einwirkungen in Zusammenhang brachte. Dem Teufel gegenüber war man keine Rücksicht schuldig, und deswegen schienen auch die schärfsten Maßnahmen berechtigt"). In diesen Überlegungen wurde die Kirche durch das Vorgehen des hochstaufischen Kaisers Friederich II. (*1194 - +1250) bestärkt, der aus rein politischen Gründen gegen die Ketzer mit Feuer und Schwert vorging. Er machte der Kirche offensichtlich Eindruck und sie bewertete seine Handlungsweise als Stärke und übernahm seine ketzerbekämpfende Gesetzgebung). Diese Faktoren haben - unterstützt von einem inneren Zerfall des Glaubens - schließlich zur Einrichtung der Inquisition geführt. Die schweren Strafen, die das alte Testament dem Gesetzesübertreter in Aussicht stellt, übertrug man einfach auf die Ketzer.Dabei erfuhr die Vorstellung vom Satan eine immer größere Ausstrahlung, die zuletzt alles  verdunkelte. Der Schatten Satans drohte die helle Sonne Gottes auszulösen, und als Gegenspieler setzte der Teufel Gott beinahe schachmatt. Er rückte immer mehr in den Mittelpunkt, indem die Menschen auf ihn sahen, gewann er Macht über sie. Eine schreckliche Verteufelung der gottgeschaffenen Natur nahm Oberhand, gegen die sich der Christ nur mit Weihwasser und Gebetsformeln schützen konnte. Man war am Ende des Mittelalters weitestgehend wieder bei den Mächten angelangt, von den das Evangelium befreit: den Mächte der Finsternis, nur übertüncht mit christlichen Symbolen.Unabsehbare Folgen entstanden, als sich mit dieser Teufelsvorstellung die Auffassung verband, es gebe Menschen, die sich mit dem Satan in einem besonderen Verhältnis befänden: die Hexen. Ganz im Gegensatz zu den im Neuen Testament beschriebenen Besessenen, die alle nur als Opfer der Dämonen beschrieben werden, nahm man bei Hexen ein bewußtes Verleugnen des Glaubens an Gott) und einen freiwilligen Pakt) mit dem Teufel an. Auf diesem Wege war die eigentlich als heidnisch abgelehnte Zauberei im "christlichen Abendland" offiziell wieder möglich. Das Grauen, welches das ausgehende Mittelalter und die frühe Neuzeit vor den Hexen spürte, beruhte deswegen auf einer realen Empfindung.Die Hexenvorstellung wurde von der frei fabulierenden Volksphantasie üppig ausgeschmückt. Maler wie Dürer verbreiteten mit ihren eindrucksvollen Hexendarstellungen nicht wenig diese furchterregende Auffassung. Die ausschweifenden und oft detailgenauen Schilderungen vom Hexensabbat, vom Teufel als Inkubus), von Frauen, die mit dem Teufel lasterhafte Buhlschaft suchten, von Salben, die aus Kinderleichen erstellt wurden, in all diesen hatten Ängste und unerlaubt geheime Wünsche ein Ventil gefunden, man durfte sagen und hören, was ein Christ nicht einmal Träumen durfte.Am schlimmsten wirkte sich jedoch aus, als die Kirchenmänner begannen, diese Vorstellungen mit theologischem Scharfsinn zu begründen). Gerhard Schormann schreibt dazu):"Hatte die frühmittelalterliche Kirche noch entscheidende Bestandteile der Lehre [Hexenlehre] als heidnischen Aberglauben bekämpft, so bauten sie die führenden Theologen des Hochmittelalters schrittweise in ihre Systeme ein".Als Begründung für das qualvolle Verbrennen der Ketzer diente beispielsweise die Bibelstelle: "Wer nicht in mir bleibt wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen" (Joh. 15,6).Dabei ist der Hexenwahn keine Erscheinung die allein im christlichen Raum aufgetreten ist; auch inChina wurden Menschen umgebracht, die okkulte Kräfte mißbraucht haben sollten).2. Umfang und Ausdehnung der Hexenprozessea.) geographisch: Systematische und ausgedehnte Verfolgungen von Zauberern oder Hexen blieben geographisch auf jenes Europa beschränkt, das im Spätmittelalter der Autorität des römischen Papsttums unterstand. Die anderen christlichen Kirchen (Ostkirche, koptische, äthiopische, armenische Kirche, etc.) haben solches nicht gekannt.In Frankreich liegt der Ursprung der Hexenverfolgung, besonders in Süd- und Westfrankreich. Sie erfaßte dann die Schweiz. Die Westschweiz ist, bezogen auf Größe und Einwohnerzahl, daß am stärksten heimgesuchte Gebiet; dort sind ca. 10000 Menschen dem Wahn zum Opfer gefallen.Von Südwesten her sprangen die Verfolgungen dann auf Deutschland über, wo mit ca. 20000-30000Opfern das Zentrum und der Höhepunkt der Verfolgung lag. Im Südwesten brannten die Scheiterhaufen in Deutschland am Häufigsten. Im Flachland und in Bayern seltener, ebenso in den Reichsstädten; auch die Unterscheidung zwischen Klein- und Flächenstaaten macht Sinn. In stark durch Kleinstterritorien zersplitterten Gebieten ist die Zahl der Verurteilten deutlich höher. Hier fehlte der Administration oft der ernüchternde Abstand zur aufgewühlten und erregten Atmosphäre in der Region, um mäßigend und regulierend eingreifen zu können).Die Zahlen sind aber regional sehr unterschiedlich und Wolfgang Behringer warnt ausdrücklich davor, einzelne örtliche Verfolgungen hochzurechnen. In manchen Gebieten - z.B. Frankfurt - hat esüberhaupt keine Verfolgungen gegeben. Auch die durch die Aufklärung verbreitete Meinung, jeder, der irgendwie angeklagt worden sei, sei auf dem Scheiterhaufen gelandet, ist in seinen Augen überzogen. Allein schon die Klagen der Verfolgungsbefürworter, das ganze Land sei voller Hexer und niemand verurteile sie, spräche dagegen. Ebenso hält er Zahlen, die für gesamt Europa mehr als  60000 Opfer angeben, für übertrieben. Nach Auswertung der Literatur kommt Behringer zu folgenden Zahlen): Baden-Würtenberg über 3000, Bayern (Franken) über 4000 (allein Hochstift Würzburg über 1200), Bayern (Altbayern, Schwaben) über 1000, Hessen über 3000, Saarland über 500, Rheinland-Pfalz über 1500, Nordrhein-Westfalen über 3000 (Erzstift Kurköln und Herzogtum Westfalen je über 1000), Niedersachsen über 1000, Mecklenburg-Vorpommern über 1000; andere Bundesländer keine Angaben. b.) zeitlich: Anfang der 1480er Jahre gab es in Oberschwaben eine erste größere Hexenverfolgung. 1487 wurde der Hexenglaube durch eine Bulle von Papst Innozenz VIII. kirchlich sanktioniert. Da sich aber viele deutsche Bischöfe weigerten, die Hexenrichter in ihrem Einflußbereich wirken zu lassen, und sie schlichtweg vor die Tür setzten, ersann der Inquisitor Heinrich Cramer) den Malleus maleficarum zu deutsch Unholden- oder Hexenhammer)zur besseren Durchsetzung der Bulle Innozenz. Um dessen Wirkung zu erhöhen, wurde ihm ein gefälschtes Gutachten der Universität Köln voran gestellt.Trotzdem kam es nur zu vereinzelten Prozessen in den folgenden Jahrzehnten. Allerdings ist in diesen Jahren eine ständige Zunahme des Irrationalen zu verzeichnen. Als dann in den 60er und 70er Jahren des 16. Jahrhunderts Mißernte auf Mißernte das Land ereilten, ging der demagogische Sprengsatz hoch, und die Scheiterhaufen brannten fast parallel zu den Ausmaßen der Mißernten bis 1630. In den Jahren 1626- 1630 bekamen in Bamberg die Angeklagten wegen der Fülle der Prozesse Nummern. Schließlich wurde 1630 sogar der Bürgermeister gefoltert und hingerichtet, vonihm ist ein erschütterndes Betroffenen-Dokument erhalten).Zu Anfang des 17. Jahrhunderts gelang es dem Münchner Stadtrat, zwei Hexenrichter hinzurichten, wodurch das Argument der Verfolgungsbefürworter unbrauchbar wurde, nachdem Gott keine ungerechten Urteile zulassen würde. Ab 1630 schließlich schafften es die Verfolgungsgegner, die durch eine immer größere Zahl von Betroffenen in den Familien der gehobenen Schichten immer stärker wurden, ein Ende des Schreckens herbeizuführen. Um 1680 gab es dann noch einmal in Salzburg eine Verfolgungswelle, zu größeren Verfolgungen kam es aber bis zur letzten Hinrichtung im deutschsprachigem Raum 1775 nicht mehr. Die eigentliche Problematik, daß die Welt für einen Großteil der Bevölkerung bis in die Oberschichten hinein mit schwarzer und weißer Magie, mit Zauber und Gegenzauber erfüllt war, bestand bis zur Aufklärung.3. Ursachen des HexenwahnsZu den Ursachen, die in Deutschland für den Hexenwahn konstituierend sind, kann erst in jüngster Zeit genaueres gesagt werden, da erst in den 80er Jahren eine größere Anzahl Quellen ausgewertet wurde. Für England, wo die Forschung schon weiter ist, konnten u.a. soziale Verschiebungen in der Bevölkerung als Ursache festgestellt werden).Die frühe Neuzeit barg zahlreiche verunsichernde Faktoren. Angefangen bei der Entdeckung eines neuen Erdteils, über Reformation und Bauernkrieg, bis zu dem sich immer mehr durchsetzenden Schießpulver gab es zahlreiche Veränderungen. Der Buchdruck ermöglichte eine revolutionär schnelle und umfangreiche Verbreitung von allen möglichen Gedanken und Ideen.Auslöser der Verfolgungswellen waren Mißernten (siehe oben). Die Stimmung in der Bevölkerung spielt dabei eine wichtige Rolle, eventuell auch Sensationslust. Oft kamen Zehntausende zu den Hinrichtungen und gute Plätze wurden teuer gehandelt.Dagegen war ein oft nur kultisch-magisch verstandenes Christentum, in dem eine Fülle heidnischer Vorstellungen weiter lebte, keine wirkungsvolle Gegenkraft. Überdies nötigte die oben beschriebenekirchliche Machtpolitik die Kirche dazu, Satan ins Zentrum der Gedankenwelt zahlreicher ihrer Kirchenmänner zu rücken. Er war es, der in den ungerechten Prozessen und durch die abscheulichenFoltermethoden angebetet wurde.Die eigentliche Ursache ist also wie bei so vielen Wahnsinnstaten aus Menschenhand unser Wesen. Aus ideologischen Fanatismus, der Höherbewertung abstrakter Prinzipien -z.B. der »Ehre Gottes« (kath. Dogmatiker Delrio um 1600)- und durch den praktischen Gesichtspunkt der Abwendung von Unwetter und Ernteschäden, sowie der Neigung zu radikalen Ausrottungstendenzen, sahen sich Menschen immer wieder berechtigt, die grausamsten Strafen und Verhörmethoden zu fordern und durchzuführen.4. Stationen des Hexenprozesses  Alle den Hexen und Hexern vorgeworfenen Vergehen sind imaginär und somit nicht durch Indizien zu belegen. Beweismittel oder rationale Erwägungen spielten in der damaligen Justiz überhaupt nur eine geringe Rolle. Man war im 12./13. Jahrhundert gerade dabei Blutrache und Gottesurteil als »Rechsmittel« abzuschaffen. Zentral und anerkannt war das Geständnis des Angeklagten. Dies muß rechtsgeschichtlich als Fortschritt betrachtet werden, er wurde aber mit der rechtmäßigen Einführung der Folter erkauft. Für die Tortur gab es aber strenge Reichsvorschriften, so waren z.B. nur bestimmte Methoden erlaubt, sie durfte nur einmalig und bei besonderen Verdachtsmomenten im Prozeß angewendet werden und Stadt- und Ratsvorsitzende waren zur Teilnahme und Überwachung verpflichtet.Diese Schutzmechanismen galten im Hexenprozeß nicht. Der Hexenhammer rät sogar dazu, die Wiederholung der Folter als Fortsetzung zu bezeichnen. Auch müsse bei Hexerei schon ein Gerüchtausreichen, um Anklage und Tortur einzuleiten zu dürfen.Kam eine Frau einmal in den Verdacht, eine Hexe zu sein, so nahm der Prozeß etwa folgenden Ablauf: Die Angeklagte wurde entblößt und auf Erkennungszeichen untersucht. Zeugen wurden gehört, es wurden nur Belastungszeugen zugelassen. War die oder der Angeklagte nicht geständig, wurde erbarmungslos von der Folter Gebrauch gemacht. Behringer schreibt):"Die Folter war die Seele des Hexenprozesses. Da der Hexereidelikt in wesentlichen Teilen imaginär war, gestanden die meisten Menschen diese Teile des Delikts [...] oft erst unter extremer Gewalteinwirkung. [...] Wo das widerrechtliche Vorgehen einmal eingerissen war [wurden], unter Berufung auf den vermeintlichen Notstand immer neue Torturen ersonnen: Neben den landläufigen Bein- und Daumenschrauben, dem Aufzug mit dem Seil ohne oder mit Gewichten [...] äußerte sich ein mörderischer Erfindungsgeist. [...] unerhörte Foltermethoden [wurden] neu belebt oder entwickelt: der Aufzug auf dem »gespickten Hasen«, das »gefaltete Stüblein«, das Brennen mit Schwefelpflastern, Fackeln und geweihten Kerzen, beträufeln mit brennendem Pech, die von dem Trierer Weihbischof Binsfeld geforderte Folter durch Schlafentzug, Entzug des Essens und Trinkens, heiße Säurebäder, Ausbrechen der Arme aus den Gelenken."Viele starben schon während des Prozesses. Besonders satanisch war es - und das Gewissen vieler gläubiger Gefolterten belastend, daß sie gestehen mußten, Gott abgesagt zu haben und ein Teufelsanbeter zu sein). Auch zielten die Befragungen auf die Ergebnisse hin, die kirchliche Dogmatiker als für den Teufelsbund verbindlich angaben, die erfolterten Aussagen schienen dann wieder diese »Erkenntnisse« zu bestätigen. Nicht weniger teuflisch war die Meinung, daß es sich bei Hexerei um ein kollektives Vergehen handle. Deshalb preßte man den vermeintlichen Teufelsbündlern die Namen der vermeintlichen Gespielinnen bzw. Komplizen ab, wodurch ein Prozeß meist mehrere Prozesse nachzog - bis die Gegend »ausgebrannt« war.Einem Geständnis folgte in der Regel der Tod durch Verbrennen. Wenn der Wind günstig stand oder das Feuer nicht gleich brannte, konnte der Delinquent vielleicht dem qualvollen Verbrennungstod entgehen, indem er vorher erstickte. In Spanien sang man bei Verbrennungen  bisweilen das Lied: "Großer Gott wir loben dich!"5. Die Opfer der HexenjagdInsgesamt waren 80% der Opfer Frauen, hauptsächlich aus der Unterschicht; doch gab es zwischen den einzelnen Verfolgungswellen und Gegenden große Unterschiede: 1590 liegt der Frauenanteil  bei 90%, bei der Salzburger Verfolgung 1680 bei 30% und die salzburger Quellen sprechen davon, daß 140 Junge Leut unter 22 hingerichtet wurden. Zu Beginn der Hexenverfolgung überhaupt und meist am Anfang einzelner Verfolgungen war die typische Märchenhexe das Opfer. Eine alte Frau, oft einsam, sozial isoliert - Frauen die sich nicht wehren konnten, keine Lobby, Witwen eben. Ausgerechnet also der Personenkreis, dem in der Bibelein besonderer Schutz eingeräumt wird. Am Ende von Hexenjagden stand dann häufig eine Person unter Anklage, die das genaue Gegenstück zur Märchenhexe darstellt: der reiche, sozial integrierte Mann aus gehobenen Stande.Oft wurden gehobene Männer und Frauen von den Gefolterten mit Absicht genannt, um sich zu rächen oder um ein schnelles Ende der Prozeßlawine zu erreichen. Eine bloßes Gerücht reichte ja um eine Anklage auszulösen.  Die Frage, in wie weit, die gefolterten und hingerichteten Personen tatsächlich in okkulte Machenschaften verwickelt waren, kann nicht klar beantwortet werden. War die Anklage einmal erhoben, war es schwer den Verdacht zu entkräften. Für Luther war es klar, daß es a.) Zauberinnen gibt, die mit Hilfe des Teufels allerlei Böses verrichten - eine habe z.B. seine Mutter geschädigt - und b.) das sie zu töten seien). Jacob Spener hegt 1701 immerhin die Sorge, daß bei den Prozessen womöglich viele Unschuldige umgebracht werden).W. Reinhard schreibt dazu):"Und obwohl die These äußerst umstritten ist, daß die Hexenverfolgung als Unterdrückung heidnischer Vorstellungen und Bräuche aufzufassen sei, bleibt doch bemerkenswert, daß es sich hier um einen gemeinsamen Gegner aller Konfessionen handelt und nicht etwa um ein Kampfinstrumentgegen Andersgläubige".Und Werner Nigg zitiert Spee mit den Worten):"Alle [Verurteilten] hätten mit herzzerreißendem Jammergeschrei die Bosheit oder Unwissenheit der Richter und ihr Elend beweint und in ihren letzten Nöten zu Gott als einem Zeugen ihrer Unschuld gerufen".6. Die Verantwortlichen der Hexenprozesse)An den Prozessen waren verschiedene Personenkreise beteiligt. Mit der Ausführung der Folter war der Berufsstand der Scharfrichter betraut, deren Familien als ehrlos galten. Sie verrichteten die einzelnen Torturen nach festen Tarifen, wir würden heute sagen: im Stücklohn, und waren daher unmittelbar an der Tortur interessiert. Beauftragt und überwacht wurden sie von der Obrigkeit), die verpflichtet war den Folterverhören beizuwohnen und dies auch mit Sicherheit tat. Diese war somit direkt verantwortlich; in zahlreichen Territorien wurden denn auch die Prozesse von ihr verboten. Mehr oder weniger direkt oder indirekt verantwortlich waren alle Juristen, die politisch im Lande eine Rolle spielten; sie kannten die Folterverhöre der Hexenprozesse aus eigenem Erleben. Alle Theologen von Bedeutung wurden im Verlauf ihrer Karriere mit der Gewissensproblematik der vermeintlichen Hexen konfrontiert - als Beichtväter oder Gutachter, Prediger oder Schriftsteller. Alle deutschen Universitäten und alle Regierungen waren zwischen 1560 und 1630 unaufhörlich mit der Hexenproblematik beschäftigt. Auf Katholischer wie auf evangelischer Seite ist viel Versagen zu bekagen.7. Die Gegner der VerfolgungenDie Hexenprozesse wurden zu keiner Zeit kritiklos hingenommen und von Angehörigen aller Konfessionen bekämpft. So verurteilte William von Occam 1320 die scholastische Hexenlehre vom Teufelspakt als häretisch. Die lutherischen Theologen Alber und Bidembach sowie der Katholik und Arzt Johan Weyer argumentierten im 16. Jahrhundert für ein Ende der Prozesse. Weyer faßte dabei die Argumente aus einem breitem Spektrum zusammen: theologische, historische, juristische, humanistische und medizinische. Seine Schriften fanden aber wegen der Religionsstreitigkeiten wenig Gehör, bildeten jedoch den Angelpunkt der weiteren Auseinandersetzung. Mit dem abschwellen der Verfolgungen 1590 hatten sie erste Erfolge.Der Calvinist Hermann Witekind betont 1580 die sozial-psychologische Komponente: Wenn Hexenarme alte Frauen sind, dann brauchen sie nicht Strafe sondern Liebe. Der Jesuit Adam Tanner wechselt ab 1600 in das Lager der Verfolgungsgegner. Er argumentiert vorsichtig, aber wirkungsvoll. Vor allem prägt er als Lehrer einen größeren Kreis. Sein Schüler Friederich Spee, der durch die seelsorgerliche Begleitung der Hexen früh ergraute, übernimmt und verschärft Tanners Argumente, weshalb seine Schriften verboten werden. Ab 1600 brachte das Leugnen des Hexereidelikts auf katholischer Seite den Vorwurf der Ketzerei ein, auch durfte man sich auf Argumente von evangelischer Seite nicht mehr beziehen. Neben anderen, die noch zu erwähnen wären, sei hier noch der Jurist Tomasius genannt, der um 1700 die Hexen für Wahnsinnige hielt, die behandelt werden müßten. Natürliche Gegner der Prozesse waren die Angehörigen der Opfer.Schließlich gelang es die Prozesse ab 1659 fast völlig zum Erliegen zu bringen, also lange vor der Aufklärung und cartesianischen Rationalismus).8. Versuch einer Wertung des VerbrechensBei dem Unterfangen diese Ereignisse einzuordnen oder zu bewerten, befiel mich Sprachlosigkeit. Alle Worte und Gedanken scheinen einem unpassend. Ein Wort Jesu fällt mir ein: "Eine Frau nahm
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