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Rezension: Giuseppe Germano (Hg.): Per la valorizzazione del patrimonio culturale della Campania. Il contributo degli studi medio-e neo-latini. Latinae Humanitatis Itinera Nova 2. Paolo Loffredo, Neapel 2016.

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Der anzuzeigende Sammelband ist aus dem an der Università degli Studi di Napoli Federico II beheimateten Forschungsprojekt «Tracciabilità del Patrimonio Culturale della Campania» hervorgegangen und hat Forschende aus Neapel, Rouen und Hamburg im
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  Giuseppe Germano (Hg.): Per la valorizzazione del patrimonio culturale della Campania. Il contributo degli studi medio- e neo-latini. Latinae Humanitatis Itinera Nova 2. Paolo Loffredo, Neapel 2016. 215 S. Der anzuzeigende Sammelband ist aus dem an der Università degli Studi di Napoli Federico II beheimateten Forschungsprojekt «Tracciabilità del Patrimonio Culturale della Campania» hervorgegangen und hat Forschende aus Neapel, Rouen und Hamburg im gemeinsamen For-schungsbemühen vereint, den Einfluss des immateriellen Erbes der mittel- und neulateinischen Literatur auf das materielle Kulturerbe der italienischen Region Kampanien zu erfassen. Die Beiträge sind chronologisch angeordnet, der zeitliche Bogen umspannt einen Zeitraum, der von der Antike bis ins 20. Jahrhundert reicht, wobei der Schwerpunkt auf der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert liegt. Der Herausgeber der Bandes, Giuseppe Germano, bietet in seiner «Pre-messa» (S. 7–12) einen Überblick über alle Beiträge, denen ausserdem ein Abstract in engli-scher Sprache vorangestellt ist. Im Folgenden soll auf Bezüge verwiesen werden, welche zwi-schen den einzelnen Beiträgen bestehen, die aber mit wenigen Ausnahmen im Band nicht ex-plizit gemacht wurden. Kernthema des Sammelbandes ist die Geburt des Neapel-Mythos, an dem in erster Linie die Humanisten am aragonesischen Hof beteiligt gewesen sind. Zentral ist der Beitrag von Anto-nietta Iacono (S. 67–83), die den Vorformen des Mythos in der Antike und bei Petrarca und Boccaccio nachgeht und seine Ausformulierung bei Pontano und Sannazaro nachvollzieht. Ia-cono umreisst, wie Neapel in den Schriften der Humanisten zum Hort alter Weisheit, zur Wohnstätte der Musen und zum Königssitz wird, der natürliche Schönheit mit urbanistischer magnificentia  und splendor   verbindet. Im Anschluss daran legt Gaëtan Lecoindre (S. 107–111) dar, dass die maritime Landschaft einen wesentlichen Baustein dieses Mythos bildet. Erhellend zeigt er auf, wie Sannazaro in seinen  Eclogae piscatoriae  den bukolischen Raum der theokri-teisch-vergilischen Tradition erweitert und so die Grösse Neapels unterstreicht. Ergänzt wer-den diese Überlegungen vom kurzen Beitrag von Marc Deramaix (S. 113–115) zur laus Nea- polis in Sannazaros  Arcadia  und  De partu Virginis . Daniele Furia und George Tilly fügen als weiteren Baustein den Anbau von Zitrusfrüchten hinzu, die heute vom Golf von Neapel nicht wegzudenken sind, die aber offenbar einen lang-wierigen Akklimatisationsprozess durchlaufen haben, ehe sie dort heimisch wurden. Furia (S. 45–57) legt durch den Vergleich der literarischen Testimonien mit ikonographischen Darstel-lungen und archäobotanischen Funden nahe, dass trotz der begrifflichen Unschärfe, welche in der Antike bestand, die Römer neben der Zitronatzitrone ( citrus Medica ) bereits ab dem 1. Jh. n. Chr. auch die Zitrone ( citrus limon ) kannten. Tilly (S. 93–105) hingegen bestimmt in seinem lexikologischen Beitrag zu Pontanos  De hortis Hesperidum  die im Gedicht beschriebenen Sor-ten – schade, dass hier, was die antiken Testimonien anbelangt, Furias Ausführungen nicht aufgegriffen worden sind. Es ist hingegen Iacono, die den Nachweis erbringt, dass die Identi-fikation der Früchte der Hesperiden mit den Zitrusfrüchten und die Umsiedlung des Mythos der Hesperiden an den Golf von Neapel im Wesentlichen eine pontanianische Erfindung waren. Dieses Bild vervollständigen die Beiträge von Mario Del Franco und Claudia Schindler, die sich der Stadt Neapel als geistiger und geistlicher Landschaft annehmen. Del Franco (S. 85–94) vollzieht nach, wie Pontano in seinem  De laudibus divinis  die neue religiöse Topographie des aragonesischen Neapels zeichnet, während Schindler (S. 117–127) vorführt, wie die Jesu-iten Nicolò Partenio Giannettasio, Francesco Eulalio Savastano und Camillo Eucherio de Quinzi in ihren Lehrgedichten eine eigentümlich neapolitanische literarische «Mikrokultur» geschaffen haben. Ein Seitenlicht auf einen anderen Schauplatz werfen schliesslich die Beiträge von Paola Caruso und Nadia Sciappacercola. Sie beleuchten nämlich die Sonderstellung, welche die Stadt Benevent zuerst als langobardisches Herzogtum am Rande des Heiligen Römischen Reiches und später als Enklave des Kirchenstaates im Königreich Neapel innerhalb von Kampanien  eingenommen hat. Caruso (S. 59–66) weist nach, dass die Hexen, die dem Volksglauben nach in Benevent beheimatet sind, nicht nur folkloristische Ursprünge haben, sondern auch auf eine gelehrte Tradition zurückgehen, die sich ins Mittelalter – konkret zu Agobard von Lyon – zu-rückverfolgen lässt. Sciappacercola (S. 129–175) hingegen deckt in minutiöser – freilich etwas unübersichtlicher und überladener – Detektivarbeit eine barocke Fälschung eines Martialepi-gramms über typische Produkte des Beneventaner Landes auf und nennt mögliche Tatverdäch-tige. Insgesamt ist es dem Herausgeber Giuseppe Germano gelungen, ein hübsches Florilegium zusammenzustellen, das selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber doch illustrativ auf zentrale distinktive Merkmale des Neapolitaner Humanismus aufmerksam macht. Mit der Reihe der  Latinae Humanitatis Itinera Nova hat die Università degli Studi di Napoli Federico II ein ansprechendes und qualitativ hochstehendes Instrument geschaffen, das den Mittel- und Neulateinischen Studien neue Sichtbarkeit verleiht und besonders dem südita-lienischen Humanismus zu grösserer Aufmerksamkeit verhilft. So bleibt zu wünschen, dass den rezensierten Bänden viele weitere folgen mögen. Christian Guerra
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