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Appenzeller Verlag LeseprobeAlle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. © Appenzeller Verlag www.appenzellerverlag.chS E H E N & HÖREN ANTWORTEN & F R AG E NKUNST IN DER HEINRICH GEBERT KULTURSTIF TUNG APPENZELLErnst Wilhelm Nay, Das polyphone Bild, 2013 Kunstmuseum Appenzell; Foto: RS, 16. März 20135DIE ANTWORT IST DAS UNGLÜCK DER FRAGE Roland Scotti13INDUSTRIELLER & MÄZEN23LEITBILD DER HEINRICH GEBERT27DIE KUNSTSAMMLUNG41KULTURSTIF TUNG A PPENZELLMEILENSTEINE53AUSSTELLUNGEN 1998 BIS 201763KONZERTREIHE69KUNSTHALLE ZIEGELHÜTTE 2003 BIS 2017PUBLIK ATIONEN 19 98 BIS 2 017Carl Walter Liner, Katharina Liner-RĂźf, Heinrich Gebert mit Modellen des Kunstmuseums Appenzell, vor dem ersten Spatenstich, 1997DIE ANTWORT IST DAS UNGLÜCK DER FRAGE O D E R : WA S M AC H T E I N M U SE U M FÜR MODERNE KUNST IM RANDGEBIET?Das Jahr 2017 steht ganz im Zeichen des 100jährigen Geburtstages des Mäzens und Industriellen Heinrich Gebert (1917-2007), der bereits in den 1970er Jahren mit dem Projekt Kunst in der Fabrik Sammelfreude mit Anschauungslehre verband. Dieses innovative Engagement, diesen Enthusiasmus übersetzte er dann als treibende Kraft in die Zielsetzungen der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell.5Die Antwort ist das Unglück der Frage, 2017 Informationsplane, Kunsthalle Ziegelhütte/FoyerDie Antwort ist das Unglück der Frage, 2017 Blick in die Ausstellung, Kunstmuseum Appenzell Ottmar Hörl, Matterhorn, 2012 Kunststoff, 47 x 83 x 55 cm; KMA, Inv.-Nr. 5.626Die Heinrich Gebert 2017 gewidmete Doppelausstellung Die Antwort ist das Unglück der Frage bezieht sich auf philosophische Fragmente von Novalis, einem der Begründer der romantischen Kunsttheorie. Im 20. Jahrhundert entwickelte der Kulturphilosoph und Literat Maurice Blanchot (1907-2003) das Paradoxon der Fragen, deren Antworten unbefriedigend wären, weiter. Nun als Hinweis auf eine Kunst, die keine Antworten liefern kann / will und soll, sondern die den künstlerischen Prozess als die eigentliche, die notwendige Fragestellung erkennt. In den 1960er Jahren spielte John Cage (1912-1992) mit der Interviewsituation: «Das ist eine sehr interessante Frage. Ich möchte sie nicht durch eine Antwort verderben.» Der Künstler Ottmar Hörl (*1950) wiederum formulierte 2010: «Das ist, was mich als Künstler interessiert, dass meine Formulierungen für mich selbst die nächste Frage aufwerfen. Diese Frage wird möglich, da ich keine endgültigen Lösungen anbiete, weil es die nicht gibt.» Museen sind allerdings verpflichtet, Antworten zu geben. Schon die Einrichtung der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell 1997 (damals: Stiftung Liner Appenzell) und die Eröffnung des Kunstmuseums Appenzell 1998 (damals: Museum Liner Appenzell) gab Antworten: auf die Fragennach der Rolle der Moderne im ländlichen Raum, nach den Impulsen, die moderne Kunst einer von kulturell-tradierten Vereinbarungen geprägten Gemeinschaft geben kann. Insgesamt waren diese Tatsachenfeststellungen eher glückliche Antworten, da sie offen für unterschiedlichste Nachfragen waren und sind: Es gibt keine unsinnigen Fragen höchstens langweilige und ermüdende Antworten. IDENTITÄTEN2017 war ein besonderes Jahr. Nicht nur, dass das Kunstmuseum Appenzell fast 20 Jahre und die Kunsthalle Ziegelhütte fast 15 Jahre alt wurden. Die Gründung der Stiftung, deren Historie, aber auch Sinn und Zweck in dieser Broschüre vorgestellt werden, war genau 20 Jahre her: Die heutige Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell wurde 1997 als «Stiftung Museum Carl Liner, Vater und Sohn» ins Leben gerufen. Für die beiden Häuser weit essentieller: Am 6. Juli 1917 wurde Heinrich Gebert geboren, ohne dessen ideelles und finanzielles Engagement weder ein Museum für Moderne Kunst noch ein Konzertsaal für Klassische Kammermusik, kein Kunstcafé und kaum ein monumentales Zeugnis der Frühindustrie in Appenzell, gar imKunsthalle Ziegelhütte Appenzell, 2014Appenzellerland, existieren würden – zumindest nicht in dieser Form. Darüber hinaus jährte sich der Todestag des Mäzens 2017 zum zehnten Mal. Dies war Anlass genug, nicht nur eine Ausstellung zu Ehren des Gönners einzurichten, sondern auch einen Wegweiser zur Institution zu publizieren: einen Wegweiser, weil die jungen Museen – glücklicherweise – noch immer eine nach allen Richtungen offene Identität pflegen. Das verdankt sich dem stets auf Innovation, auf Weiterentwicklung gerichteten Ansatz des Industriellen Heinrich Gebert. Strukturell ist dessen Vermächtnis – die private Einrichtung für Hochkultur – so fest verankert, dass bis Ende 2017 nicht nur 101 Ausstellungen, mehr als 175 Konzerte und über 400 Events gezeigt und betreut werden durften, sondern dass alle Beteiligten innerhalb und ausserhalb des Betriebs weiterdenken, weiterarbeiten können. ZWEIFEL1917, das Geburtsjahr Heinrich Geberts, war ein historisches, aber eben auch ein kulturelles Schwellenjahr (von der Russischen Revolution bis zur Gründung von De Stijl). Vorsichtig könnte man für 2017 feststellen, dass dies ein Schwellenjahr für das Selbstverständnis vonKunstmuseum Appenzell, November 2012 Gottfried Honegger, Pliage C 54, 1999 Eisen, Epoxy, 240cm hoch, ø 50 cm KMA, Inv.-Nr. 5.48Museen für Moderne Kunst ist. So reflektiert das New Yorker MOMA in einer Ausstellungsreihe 2017 seine eigene Geschichte und seine Bedeutung für die Gesellschaft. Das Van Abbemuseum im niederländischen Eindhoven untersucht zwischen 2017 und 2020 in einer Ausstellungsserie, die den mehrdeutigen Titel The Making of Modern Art trägt, wie der «Kanon der Modernen Kunst» im Westen, in dem für uns bestimmenden Kulturkreis, fabriziert wurde; und ob er so – wie seit mehr als hundert Jahren gewohnt – weitergeführt werden kann. KUNST FÜR ALLEDie Appenzeller Kunstmuseen ver- und untersuchen dies seit 1998 – natürlich in viel bescheidenerem Rahmen. Sie sind, aufgrund ihrer Geschichte, ihrer Sammlung und ihrer geographischen Verortung geübt in der Selbstbefragung – und erstaunlicherweise selten um Antworten verlegen. Vielleicht verdankt sich das, die Suche nach Fragen und Antworten, dem unbedingten Glauben an Bildung und Entwicklung, zumindest an den Wert dieser Voraussetzungen für die verschiedensten Gesellschaftsgruppen. Daran glaubte auch Heinrich Gebert, der ab 1971 – zusammen7mit seinem Bruder Klaus – in den Produktionsstätten des Sanitärbetriebs Geberit eine permanente Kunst-Ausstellung einrichtete – und damit mehrere «Fliegen mit einer Klappe» schlug: Die eigene, seit den 1950er Jahren erworbene Sammlung an Gemälden Carl Walter Liners, später auch des Bildhauers Erwin Rehmann wurde so zumindest halböffentlich; Moderne Kunst wurde allen Mitarbeitenden als Teil des Alltagslebens nähergebracht; mit der Betonung auf einem gemeinsamen Nenner von Industrie, Handwerk und Kultur: T R A N S F O R M A T I O N . AUFGABENMehr als 400 Werke dieser ursprünglichen «Fabriksammlung» bilden den Grundstock der heutigen Kunstsammlung, die im Jahr 2017 mehr als 1500 Arbeiten umfasst. In der zweiteiligen Jubiläumsausstellung Die Antwort ist das Unglück der Frage wurden aus diesem Fundus Werke von 100 Künstler innen der Genera-8tionen von 1870 bis 1970 ausgewählt und in einen Parcours integriert, der eine der möglichen Antworten auf die Frage nach dem Sinn der Institution symbolisch darstellte. Wie bei jedem Museum kann dieser mit den sechs Worten «Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen, Vermitteln und Verwalten» beschrieben werden. PERPETUUM MOBILEDer erste Teil der Jubiläumsausstellung «Die Antwort ist …», verwies ab dem 2. April 2017 in der Kunsthalle Ziegelhütte, einem Zeugnis der Frühindustrie, auf die Fragen nach dem Ursprung und dem Zweck der beiden Ausstellungshäuser. Im Erdgeschoss wurden die Arbeiten des Appenzeller Malers Carl Walter Liner (1914-1997) und jene des Laufenburger Bildhauers Erwin Rehmann (geb. 1921) in exemplarischen Werkgruppen der 1950er bis 1980er Jahre vorgestellt. Beide Künstler prägten die «Kunst in der Fabrik» und sicher auch den Kunstgeschmack des Mäzens. Im ersten ObergeschossCarl Walter Liner, Komposition (Kreis), um 1970 Öl, Kies auf Papier, auf Hartfaserplatte, 21 x 32,7 cm KMA, Inv.-Nr. 2.290wurden die Möglichkeiten und Ausrichtungen der Stiftung, ihre Zukunft, anhand einer umfangreichen, im Jahr 2016 erfolgten Schenkung des Bildhauers und Zeichners Selim Abdullah (*1950) im Zusammenklang mit weiteren Ankäufen und Schenkungen thematisiert. Das zweite Obergeschoss, der Balkon, stellte die Institution als Teil des kulturellen «Glasperlenspiels» (Hermann Hesse) vor: als Archiv, als Wissens- und Vermittlungsort. Der zweite Teil der Ausstellung «… das Unglück der Frage» reflektierte in den zehn Kabinetten des Kunstmuseums Appenzell anhand einer Auswahl aus der Sammlung die Kunstgeschichte der Moderne. Einzelbeispiele – von Hans Arp bis Beat Zoderer – liessen Stilbegriffe, aber vor allem den künstlerischen Individualismus lebendig werden. Die Präsentation fokussierte auf den musealen Umgang mit Kunst und Geschichte. Verschiedene Formen des Ausstellens und Vermittelns wurden transparent. Das Kunstmuseum Appenzell, bereits architektonisch eine Metapher für Wissensindustrie, zeigte sich als Produktionsstätte von Erinnerung und Zukunft, als eine Institution, die immer wieder Fragen aufwirft – ganz im Sinne eines Perpetuum mobile, das Sehen, Denken, Fühlen in Bewegung hält.CĂŠsar (Baldaccini), Ohne Titel, 1956 Stahl, geschweisst, 47 x 76,5 x 15 cm KMA, Inv.Nr. 3.649Fausto Melotti, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, 1985 Chromstahl, Aluminium, Drahtnetze, Messing, 640 x 830 x 150 cm KMA, Inv.-Nr. 3.140Die Antwort ist das Unglück der Frage, 2017 Kunsthalle Ziegelhütte/EG; mit Werken von Carl Walter Liner und Erwin RehmannSelim Abdullah, Sfera | Kugel, 2006 Terrakotta, bemalt, 26 x 18 x 26 cm KMA, Inv.-Nr. 5.87DIALOGE10Da die oben erwähnten musealen Aufgaben – mit Ausnahme des Verwaltens – keine selbstgenügsamen, sondern nach Aussen gerichtete Aufgaben sind, versuchen wir (die Stiftung und das Team) mit unseren Mitteln jedes Mal – bei Sonderausstellungen oder bei aus der eigenen Sammlung generierte Ausstellungen – spannende, einzigartige, schlüssige und trotzdem offene Erzählungen zur Geschichte von Kunst und von Kultur anzubieten. In gewisser Weise produzieren wir historische Narrative, vielleicht auch Erkenntnisse oder Wissen, ganz sicher Gefühle. Dass diese Gratwanderung, dieser Balanceakt zwischen Faktenvermittlung und Spiel möglich wurde, verdankt sich unter anderem den Stiftungsstatuten, in denen Interdisziplinarität, Experiment und Bildungsauftrag als gesellschaftliches Ziel, aber auch als Identität der Häuser festgehalten wurden. Die vorliegende Publikation gibt einen ebenso multiperspektivischen Einblick in das, was ein kleines, aber engagiertes Museum der Moderne in einem so genannten kulturellen Randgebiet leisten kann: den Zwischenraum sichtbar werden lassen, den Dialog zwischen Tradition und Innovation fördern, das Internationale im Regionalen verankern …Dr. Roland Scotti Kurator Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell, August 2017Die Antwort ist das UnglĂźck der Frage, 2017 Kunsthalle ZiegelhĂźtte/2. 0G; Wissensspeicher11Jim Dine, Hot Dream (52 books), 2008 Kunstmuseum AppenzellNorbert Kricke, Raum | Linie, 2012 Kunstmuseum Appenzell; Foto: Gaston Wicky (Raumplastik gelb ‹Tempel›, 1952)INDUSTRIELLER & MÄZENZusammen mit seinem Bruder Klaus hatte Heinrich Gebert (6. Juli 1917, Rapperswil, bis 8. August 2007, Wollerau) im Alter von 36 Jahren in Rapperswil die elterliche Spenglerei übernommen. In der Folge bauten sie den Betrieb zur weltweit bekannten, innovationsfreudigen Sanitärfirma Geberit aus. Die beiden Brüder zogen sich Anfang der 1990er Jahre aus der operativen Geschäftsführung zurück. 1997 wurde das Unternehmen verkauft, hat aber seinen Hauptsitz noch immer in Rapperswil-Jona.13Erwin Rehmann, Raumguss-Tafel I, 1982 Eisen, Bronze, Zink, Messing, 133 x 52 x 24 cm KMA, Inv.-Nr. 3.142aErwin Rehmann und Roland Scotti Depot des Kunstmuseums Appenzell, 201314Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Geschäftsleben zeigte Gebert bei verschiedenen Gelegenheiten eine eindrückliche und seltene Grosszügigkeit. So finanzierte er regionale und soziale Projekte, half gemeinnützigen Organisationen und unterstützte künstlerisches Schaffen. Mit den von ihm gegründeten Stiftungen förderte er unter anderem Sachgebiete, die ihm wichtig erschienen, so etwa die Weiterbildung talentierter Fachkräfte. 1996 stellte Heinrich Gebert das Grundkapital für das Rehmann-Museum in Laufenburg zur Verfügung. Grosse Beachtung fand die 1998 gegründete Gebert Rüf Stiftung Basel, eine Wissenschaftsstiftung, die auch den Wirtschaftsstandort Schweiz stärkt. Die Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell ist die grösste Kulturstiftung von Gebert. Das in der persönlichen Freundschaft zu Carl Walter Liner begründete Engagement Geberts für moderne Kunst und Kultur begann bereits in den 1950er Jahren mit dem Aufbau einer umfangreichen Sammlung von Werken beider Liners sowie dem wegweisenden Projekt Kunst in der Fabrik, das in den frühen 1970er Jahren erstmalig in der Schweiz moderne Kunst und moderne Produktionsstätten vereinigte.Heinrich Gebert hat sowohl den Bau der beiden Häuser, Kunstmuseum Appenzell und Kunsthalle Ziegelhütte, bezahlt sowie durch die Bereitstellung finanzieller Mittel einen ordentlichen Betrieb der beiden Häuser in den Bereichen Kunst und Musik ermöglicht. Darüber hinaus war er immer Ideengeber und Unterstützer der interdisziplinären Orientierung der Stiftung. Seine private Kunstsammlung bestimmt den Charakter der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell.Carl August Liner, Stickende Frau in einer Laube, Terracina 1898 Aquarell, Gouache über Bleistift auf Papier, 16,3 x 24,3 cm KMA, Inv.-Nr. 1.4Carl August Liner, Schwingfest, Schwägalp, 1924 Öl auf Leinwand auf Karton, 36 x 45,5 cm KMA, Inv.-Nr. 1.37815Carl August Liner, Bildnis Carl Walter Liner, um 1922 Öl auf Leinwand auf Hartfaserplatte, 37,5 x 26,2 cm KMA, Inv.-Nr. 1.199

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Nov 16, 2017
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